Das Völkerkundemuseum Zürich zeigt aus seiner Fotosammlung Ansichtskarten aus aller Welt, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als weite Reisen noch nicht selbstverständlich waren und nur wenige Reisende eine eigene Fotokamera besaßen, verschickt wurden und somit für die Zuhausegebliebenen das Bild ferner Länder und ihrer Bewohner prägten.
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© VMZ
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Postkarte, Isfahan (Iran) 1908.
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Die Geschichte ihrer weltweiten Verbreitung Ende des 19. Jahrhunderts spiegelt nicht nur die Zeit des Kolonialismus, sie demonstriert auch die fortschreitende Mobilität der Moderne und erzählt von der Kulturgeschichte des Reisens.In der Darstellungsweise ferner Länder und fremder Völker auf der kleinen Fläche der Postkarte offenbart sich eine breite Skala von Haltungen zum abgebildeten Objekt. Man begegnet der Pose des Kolonialisten, des Forschers im Namen der Wissenschaft und des Fortschritts, des Abenteurers und Weltenbummlers. Auch wenn die Karten in erster Linie für den populären Geschmack eines westlichen Publikums produziert wurden, zeigen die Abbildungen oft ein ethnographisches Interesse und die Bemühung wird spürbar, möglichst nahe an die Wirklichkeit der fremden Kulturen heranzukommen. Solche Ansichtskarten sind ein wertvolles Zeugnis
vergangener Zeiten, denn wo andere visuelle Dokumente verschwunden sind, haben Ansichtskarten mit ihrer weiten Verbreitung überdauert.
Die Ausstellungsmacherinnen Beatrice Kümin und Susanna Kumschick haben für die Veröffentlichung in der Ausstellung und in der Publikation Ansichtskarten mit typischen Motiven und wiederkehrenden Sujets zusammengestellt und sich auf jene Themen konzentriert, welche die Postkartenproduzenten und Konsumenten damals besonders interessierten. Es sind einerseits Ansichten, die den Aufbruch in die Ferne und das abenteuerliche Reisen illustrieren. Andererseits zeigen sie die Faszination der Europäer an der unbekannten Fauna und Flora, an den Sitten und Riten der fremdländischen Bevölkerung oder machen das große Interesse an Porträts von Menschen fremder Kulturen sichtbar. Die frühen Ansichtskarten beeindrucken durch ihre reichhaltigen Gestaltungsvarianten. Sie zeigen die verschiedenen, heute kaum mehr angewendeten Drucktechniken und Kolorierungsarten, das
spannungsvolle Zusammenspiel zwischen Handschrift, Legende und Bild mit ihrer Leichtigkeit und dem bisweilen versteckten Witz. Die Ansichtskarten aus der Ferne bergen einen faszinierenden kulturgeschichtlichen Schatz in sich und verzaubern den Betrachter durch ihre visuelle Kraft und Schönheit.
Eine Ausstellung des Völkerkundemuseum der Universität Zürich, Pelikanstrasse 40, 8001 Zürich (
www.musethno.unizh.ch ) zu der als Begleitpublikation der folgende Band erschienen ist: Beatrice Kümin u. Susanna Kumschick (Hrsg.): Gruß aus der Ferne. Fremde Welten auf frühen Ansichtskarten. - Mit Beiträgen von Simone Meier, Michael Oppitz, Christoph Schuler, Ruth Schweikert, Albert Wirz, Laure Wyss u. a. 8°. 121 Seiten, 101 farb. Abb. OKart. Völkerkundemuseum, Zürich 2001.
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